15 Verbände präsentieren Statusbericht 2024 der deutschen Kreislaufwirtschaft

Kreislaufwirtschaft sehr viel mehr als Sammeln, Transportie­ren, Recyceln oder Beseitigen von Abfällen

Der VKU und 14 weitere Verbände der Kreislaufwirtschaft haben am 25.01.2024 zusammen mit der IFAT (Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft) den Statusbericht der Kreislaufwirtschaft 2024 in einer Online-Pressekonferenz vorgestellt. Auf 240 Seiten wird darin gezeigt, dass Kreislaufwirtschaft sehr viel mehr ist als das Sammeln, Transportie­ren, Recyceln oder Beseitigen von Abfällen. Kreislaufwirtschaft, oder auch „Circular Economy“, hilft als neues Wirtschaftsmodell bereits jetzt, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und Rohstoffe für den Wirtschaftskreislauf zur Verfügung zu stellen, Tendenz steigend.

Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2024 – Titel © TafelmitKollegen KG

Es wird immer mehr recycelt, und so konnte die Branche im Jahr 2021 in Deutschland einen Umsatz von rund 105 Milliarden Euro (+ 47?% im Vergleich zu 2010) erzielen. Sie ist damit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Zudem wachsen auch die Beschäftigtenzahlen: Die Branche beschäftigte 2021 rund 310.000 Erwerbstätige (+ 11?% im Vergleich zu 2010) und ist damit in Deutschland einer der wichtigsten Arbeitgeber im Bereich der Umweltwirtschaft.

Mehr Recycling bedeutet zudem mehr Ressourceneinsparung und damit leistet die Branche auch einen bedeutenden Beitrag zu wirksamem Klimaschutz. So sind in der Abfallwirtschaft die Emissionen seit 1990 von 38 Millionen Tonnen CO2 um knapp 90?% im Jahr 2022 auf 4,3 Millionen gesunken. Jährlich werden allein 60 Millionen Tonnen CO2 durch das Recycling und den nachfolgenden Einsatz von Sekundärrohstoffen vermieden.

Patrick Hasenkamp, VKU-Vizepräsident und Leiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster: „Der Statusbericht zeigt: Es sind die Entsorgungsunternehmen, die nicht nur zuverlässig für saubere Straßen und geleerte Abfallbehälter sorgen, sondern auch die Grundlage für effektives Recycling verwertbarer Abfallströme sicherstellen. Die Abfall- und Kreislaufwirtschaft ist für eine nachhaltige Ressourcenwirtschaft also der wichtige Treiber – und treibt damit auch den Klimaschutz entscheidend voran.

Zudem sensibilisieren Entsorgungsunternehmen mit ihren Leistungen in der Abfallberatung und Kampagnen zur Abfallvermeidung die Öffentlichkeit vor Ort flächendeckend. Damit sorgt die Entsorgungswirtschaft letztlich auch auf europäischer Ebene für die Erfüllung des European Green Deal.“

Der Statusbericht der Kreislaufwirtschaft 2024 zeigt zudem:

  • Die Wertschätzung der Branche und ihrer Beschäftigung nimmt zu, gleiches gilt allerdings nicht für die Akzeptanz der für die stoffliche und energetische Verwertung notwendigen Anlagen.
  • Kreislaufwirtschaft digital und innovativ: Die Digitalisierung unterstützt Sammlung und Transport, innovative Verfahren verbessern die Recyclingergebnisse, Startups mit neuen Ideen
  • Produzenten und Recycler rücken immer enger zusammen, gleichwohl sind für den Wiedereinsatz von Recyclingrohstoffen die Absatzmärkte sicherzustellen

„Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2024“ – Kernthesen

Das gesamte Abfallaufkommen in Deutschland bleibt seit vielen Jahren bei rund 400 Millionen Tonnen stabil, die Abfallmengen aus privaten Haushalten steigen allerdings sowohl absolut als auch pro Kopf weiter leicht an

  • Die Kreislaufwirtschaft wächst weiter: Mehr Recycling, mehr Beschäftigung und ein Umsatzsprung durch höhere Rohstoffpreise.
  • Kreislaufwirtschaft international: Wachsende Märkte für Technik und Güter bei zunehmendem Wettbewerbsdruck für die deutschen Unternehmen
  • Kreislaufwirtschaft vernetzt: Bedeutende Beiträge zum Klimaschutz, zur Rohstoffversorgung und zur Energiewende.
  • Die Wertschätzung der Branche und ihrer Beschäftigung nimmt zu, gleiches gilt allerdings nicht für die Akzeptanz der für die stoffliche und energetische Verwertung notwendigen Anlagen.
  • Kreislaufwirtschaft digital und innovativ: Die Digitalisierung unterstützt Sammlung und Transport, innovative Verfahren verbessern die Recyclingergebnisse, Startups mit neuen Ideen
  • Produzenten und Recycler rücken immer enger zusammen, gleichwohl sind für den Wiedereinsatz von Recyclingrohstoffen die Absatzmärkte sicherzustellen
  • Brüssel gibt mittlerweile in vielen Feldern der Kreislaufwirtschaft die Zielrichtung und die Geschwindigkeit vor. Das Ziel: Die Transformation von einer linearen Wirtschaft zu einer Circular Economy
  • Für den Transformationsprozess zur Circular Economy ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft die wichtigste Basis, gleiches gilt für den Green Deal

Anlass und aktueller Rahmen

Der vorliegende Statusbericht beleuchtet zum dritten Mal nach 2018 und 2020 die Situation der deutschen Kreislaufwirtschaft. Seit der ersten Veröffentlichung im Mai des Jahres 2018 sind fast sechs Jahre vergangen. In diesem Zeitraum haben in Deutschland zwei Ereignisse für eine veränderte Sichtweise auf die Branche geführt: Zunächst die Corona-Krise, die nicht nur die Leistungs- und Anpassungsfähigkeit der Branche, sondern auch ihre Systemrelevanz für die Funktionsfähigkeit des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens unter Beweis gestellt hat. In diesem Zusammenhang ist seit Anfang des Jahres 2020 auch das Ansehen der Abfallentsorgung und vor allem der beteiligten MitarbeiterInnen und Mitarbeiter in der Bevölkerung deutlich gestiegen.

Der Angriffskrieg auf die Ukraine hat vor Augen geführt, wie stark Deutschland von Energie- und Rohstoffimporten abhängig ist und wie schnell Störungen in den Lieferketten zu Problemen bei der Versorgung mit wichtigen Gütern führen können. Die Abfallwirtschaft kann sowohl durch die Kreislaufführung von Rohstoffen als auch durch die energetische Verwertung wichtige Beiträge zur Reduzierung dieser Abhängigkeiten leisten. Dazu liefert der vorliegende Statusbericht wichtige Zahlen und Informationen.

Die Kreislaufwirtschaft erlangt ferner auch in anderen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen eine zunehmende Bedeutung. Die Diskussionen um die Circular Economy als neues Wirtschaftsmodells zur Reduzierung des Ressourcenverbrauches führt nicht nur zu dem Ergebnis, dass die Kreislaufwirtschaft künftig die zentrale Rolle bei der Zurverfügungstellung von Rohstoffen für den Wirtschaftskreislauf zukommen wird. Veränderte Produkte und Produktionsweisen werden in Verbindung mit einem veränderten Konsumverhalten auch maßgeblich zur CO2e-Reduzierung und zur Reduzierung des Rohstoffeinsatzes führen. Die Kreislaufwirtschaft wird somit in den kommenden Jahren zwangsläufig zu einem zunehmend wichtigeren Akteur des wirtschaftlichen Wandels werden. Dieser Herausforderung wird sich die Branche mit dem Anspruch stellen, den Wandel auch mitgestalten zu wollen.

Die Voraussetzungen der Kreislaufwirtschaft dafür sind nach wie vor gut: Hohe Investitionen in Personal und Technik verbessern kontinuierlich die Standards, etwa 315.000 qualifizierte und motivierte Beschäftigte arbeiten in 10.000 kommunalen und privaten Unternehmen auf allen Stufen der Wertschöpfung und erwirtschaften dabei einen Umsatz von rund 105 Mrd. € sowie eine Bruttowertschöpfung von fast 33 Mrd. €. Dies zeugt nicht nur vom Willen zur Veränderung, sondern auch von der Kraft zum Wandel.

Leistungen der Kreislaufwirtschaft

2021 wurden insgesamt 410 Millionen Tonnen Abfälle aus dem Inland (2017 = 409 Millionen Tonnen) in rund 14.300 Abfallbehandlungsanlagen entsorgt. Den größten Anteil an den aus dem Inland entsorgten Abfällen haben mit 220 Millionen Tonnen die Bau- und Abbruchabfälle (= 53 %). Bezogen auf die Gesamtmenge ergibt dies rund 5 Tonnen Abfall je Einwohner und Jahr in Deutschland.

Der Anteil der in privaten Haushalten erzeugten Abfälle lag im Jahr 2021 bei rund 40 Millionen Tonnen (2017 = 38 Millionen Tonnen). Das entspricht einem einwohnerspezifischen Aufkommen von rund 484 Kilogramm je Einwohner. Die Abfälle aus privaten Haushalten setzen sich aus den nachfolgenden Hauptfraktionen zusammen:

  • 13,3 Millionen Tonnen Hausmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle (159 Kilogramm je Einwohner)
  • 3,1 Millionen Tonnen Sperrmüll (37 Kilogramm je Einwohner)
  • 11,2 Millionen Tonnen getrennt erfasste Bio- und Grünabfälle (134 Kilogramm je Einwohner) sowie
  • 12,5 Millionen Tonnen getrennt erfasste Wertstoffe wie Papier, Pappe und Kartonagen, Glas, Leichtverpackungen, Metalle, Altholz, Textilien und sonstige Wertstoffe (150 Kilogramm je Einwohner)

Der Anstieg des Gesamtaufkommens an Abfällen aus Haushalten um 22 Kilogramm je Einwohner gegenüber dem Jahr 2017 ist im Wesentlichen auf das Sperrmüllaufkommen (z. T. durch Corona Extremwettereignisse hervorgerufen) und die Intensivierung der Getrennterfassung von Bio- und Grünabfällen zurückzuführen.

Wirtschaftliche Bedeutung der Kreislaufwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft ist nach wie vor eine Wachstumsbranche. Stetig wachsende Anforderungen an die stoffliche und energetische Verwertung, steigende Standards für die Erzeugung von Sekundärrohstoffen und die damit einhergehenden technischen Innovationen führen zu einer positiven Entwicklung der wesentlichen wirtschaftlichen Indikatoren: Die Kreislaufwirtschaft erzielte im Jahr 2021 einen Umsatz von rund 105 Milliarden Euro (+ 47?% zu 2010) und beschäftigte im gleichen Jahr rund 310.000 Erwerbstätige (+ 11?% zu 2010). In der Kreislaufwirtschaft sind heute bundesweit fast genauso viele Personen beschäftigt wie in der Energiewirtschaft und fast viermal so viele Personen wie in der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Die zunehmende Anzahl von Startups mit ihren innovativen Recyclingideen steht stellvertretend für die die fachliche Attraktivität der Kreislaufwirtschaft. Mit einer Bruttowertschöpfung von rund 32,7 Milliarden Euro im Jahr 2021 (+ 41?% zu 2010) ist die Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland.

Die Kreislaufwirtschaft umfasst weit mehr als das Sammeln, Transportieren und Entsorgen von Abfällen – die Analysen des Statusberichtes zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung auch die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen der Technik und des Handels für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft haben. Von den rund 10.000 Unternehmen entfallen rund 5.800 Betriebe auf die klassischen Marktsegmente „Abfallsammlung, -transport und Straßenreinigung“ sowie „Abfallbehandlung und -verwertung“. Knapp 1.200 Unternehmen zählt das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“. Weitere 3.000 Unternehmen sorgen im Bereich „Großhandel mit Altmaterialien“ für den Kreislauf der Sekundärrohstoffe aus der Abfallwirtschaft. Im Durchschnitt hat jeder Erwerbstätige in der Kreislaufwirtschaft im Jahr 2021 einen Umsatz von 340.000 € und eine Bruttowertschöpfung von 106.000 € erzielt.

Kreislaufwirtschaft international

Die deutsche Kreislaufwirtschaft ist seit vielen Jahren ein wichtiger Akteur im internationalen Handel mit Anlagen, Maschinen und Sekundärrohstoffen: Auf der einen Seite besteht in vielen Ländern der Welt ein großer Bedarf an Technologien und Verfahren, um eigene Entsorgungsstrukturen aufbauen zu können. Auf der anderen Seite werden zur Entwicklung der Volkswirtschaften zunehmend mehr Sekundärrohstoffe benötigt. Die Abfallgesetzgebung hat in Deutschland frühzeitig zu technologischen Innovationen geführt, die heute eine tragfähige Basis für den erfolgreichen Export bilden. Allein das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“ hatte im Jahr 2022 ein Exportvolumen von 5,4 Milliarden Euro. Die wichtigsten Zielmärkte in diesem Bereich sind nach wie vor die Vereinigten Staaten, China, Polen sowie Frankreich. Sekundärrohstoffe, wie Metalle oder Kunststoffe, gehen hingegen mit einem Gesamtvolumen von 10,1 Milliarden Euro, wie auch in den Jahren zuvor, in erster Linie nach Belgien, Italien und in die Niederlande.

Produkte & Innovationen – Förderung von Startups

Besonders dynamisch entwickelt sich der Welthandel im Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“. Der Wert der weltweit exportierten Maschinen und Anlagen stieg von knapp 29 Milliarden US-Dollar im Jahr 2010 auf fast 50 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Nach wie vor genießt deutsche Technik in diesem Teilmarkt weltweit einen exzellenten Ruf. Allerdings stehen die deutschen Unternehmen unter einem sehr starken Wettbewerbsdruck. In den letzten zehn Jahren büßte Deutschland drei Prozent des Weltmarktanteils ein, der im Jahr 2021 bei nur noch 12 % liegt. China hingegen konnte seinen Anteil am Weltmarkt zwischen 2011 und 2021 von 18 % auf 30 % deutlich steigern.

Die Förderung von Startups in der Kreislaufwirtschaft spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von nachhaltigen und ressourceneffizienten Wirtschaftsmodellen. Diese Unternehmen setzen auf kreative Ansätze, um Produktlebenszyklen zu verlängern, Abfälle zu minimieren und Ressourceneffizienz zu maximieren. Startups entwickeln innovative Recyclingtechnologien, bieten Produkte als Dienstleistungen an, um die Lebensdauer zu verlängern, oder schaffen Plattformen für den Austausch und die Wiederverwendung von Materialien.

Akzeptanzprobleme der Kreislaufwirtschaft

Umfragen zu den angesehensten Berufen und die Reaktion der BürgerInnen und Bürger während der Coronakrise zeigen: Die MüllwerkerInnen, die für die Sammlung und den Transport des Abfalls zuständig sind, genießen in der Bevölkerung ein sehr hohes Ansehen. Mit 70 % Zustimmung liegt dieser Berufsstand nach einer Umfrage des Deutschen Beamtenbundes aus dem Jahr 2022 auf dem siebten Platz aller Berufsgruppen. Die Mülltrennung gehört zu den wichtigsten Beiträgen, die private Haushalte in Deutschland nach eigener Einschätzung für den Umweltschutz leisten. Insofern genießt auch das Recycling der Abfälle einen hohen Stellenwert, zumindest, was die Produkte und den Wiedereinsatz der Rohstoffe angeht. Weniger Akzeptanz hingegen besteht in der Bevölkerung für die Infrastruktur, die für das Funktionieren der Kreislaufwirtschaft notwendig ist. Seien es Sortier- und Aufbereitungsanlagen, Thermische Abfallbehandlungsanlagen oder auch Deponien. Ohne Verbesserung, Erweiterung und Neuplanung von Anlagen sind die wachsenden Aufgaben, die von der Kreislaufwirtschaft bewältigt werden müssen, jedoch nicht zu erreichen. Darum ist hier nicht nur ein Umdenken in der Bevölkerung erforderlich, sondern auch in der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik.

Arbeitsplätze

Die Kreislaufwirtschaft ist mit rund 310.000 Beschäftigten in Deutschland einer der wichtigsten Arbeitgeber im Bereich der Umweltwirtschaft, Tendenz weiterhin steigend. Die Arbeitsplätze sind systemrelevant, sicher und werden durch die zunehmende Technologisierung und Digitalisierung der Branche immer vielseitiger und anspruchsvoller. Gleichwohl kann die Kreislaufwirtschaft auch weiterhin die Beschäftigung für Menschen ohne Berufsqualifikation anbieten, für die es in anderen Branchen kaum noch Chancen gibt. Sowohl die Unternehmen als auch die Verbände der Kreislaufwirtschaft bieten den Beschäftigten zudem umfangreiche Möglichkeiten zur Weiterbildung. Die Strukturen entwickeln sich dynamisch: Zu den „klassischen“ Unternehmen der Kreislaufwirtschaft kommen im Vergleich zu anderen technisch orientierten Branchen überdurchschnittlich viele Start-ups hinzu, die einen hohen Bezug zur Digitalisierung aufweisen. Für die Lösung des Fachkräftemangels bedarf es allerdings weiterer und gemeinsamer Anstrengungen der gesamten Branche. Nur so kann sich die positive und notwendige Entwicklung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland ohne Einschränkungen weiter fortsetzen.

Kosten der Abfallentsorgung

Der Leistungsumfang der Kreislaufwirtschaft ist durch die hohen Standards für die Behandlung der Abfälle und die Kreislaufführung der Rohstoffe sehr umfangreich. In Anbetracht des hohen Aufwandes liegen die durchschnittlichen Kosten der privaten Haushalte für die Abfallentsorgung mit etwa 70 €– 120 € je Einwohner und Jahr wohl deutlich unter dem, was die BürgerInnen und Bürger vermuten würden: Nach Umfragen des INFA werden die kommunalen Abfallgebühren von den BürgerInnen und Bürgern bis zu 5 mal so hoch eingeschätzt, wie sie in den jeweiligen Kommunen tatsächlich anfallen.

Die kommunalen Abfallgebühren decken die Kosten für die Sammlung, den Transport und die umweltgerechte Entsorgung insbesondere der Restabfälle, des Sperrmülls sowie der Verwertung von Bioabfällen und Papier. Die Kosten für die Verwertung von Verpackungsabfällen (gelber Sack bzw. Behälter) werden über Lizenzentgelte gedeckt, die vom Hersteller für jede einzelne Verpackung an die Dualen Systeme zu entrichten sind und die die Verbraucher bereits beim Kauf des Produktes/der Verpackung bezahlen. Zusätzlich zu den Abfallgebühren entstehen den BürgerInnen und Bürgern weitere Kosten von rund 17,4 € pro Jahr bzw. rund 1,5 € pro Monat und Einwohner.

Rohstoffe

Natürliche Ressourcen sind die Grundlage für die Herstellung von Produkten für die Erzeugung von Energie und die Erbringung von Dienstleistungen. Viele natürliche Ressourcen stehen nur begrenzt zur Verfügung, deshalb ist ihr Schutz, auch für zukünftige Generationen, von besonderer Bedeutung. Die derzeitigen Rohstoffpreise spiegeln nicht die zukünftigen Rohstoffknappheiten und die Umweltbelastungen bei der Gewinnung wider, damit fehlen weitere, wichtige Anreize zur Schonung von Primärressourcen. Das gemeinsame Ziel muss darin bestehen, den Ressourcenverbrauch deutlich zu verringern und vom Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. Dazu wird die zunehmende Kreislaufführung von Ressourcen einen wichtigen und nachhaltigen Beitrag leisten.

Ein wichtiger Indikator für den Wiedereinsatz von Rohstoffen ist die Zirkularitätsrate (Circular material use rate, kurz CMU). Diese misst die genutzte Sekundärrohstoffmenge im Verhältnis zu der Menge aller genutzten Rohstoffe. Die CMU ist seit Jahren fast konstant in Deutschland. Mit 12,7 % liegt die deutsche CMU im Jahr 2021 im Europäischen Durchschnitt von 11,7 %. Das es möglich ist, Recyclingpotenziale noch viel stärker zu heben, zeigen beispielsweise die Niederlande mit einer aktuell fast dreifach so hohen Zirkularitätsrate von 33,8 %

Klimaschutz durch Kreislaufwirtschaft

Nach der nationalen Treibhausgasinventur sind die Emissionen im Sektor Abfallwirtschaft seit 1990 von 38 Millionen Tonnen CO2e um 75?% auf nur noch 4,3 Millionen Tonnen CO2e im Jahr 2022 gesunken. Wesentliche Ursache dafür war die Schließung von Deponien für die Ablagerung unvorbehandelter Siedlungsabfälle im Jahr 2005. Darüber hinaus tragen viele weitere abfallwirtschaftliche Maßnahmen zum Klimaschutz bei: Weitere 60 Millionen Tonnen CO2e werden jährlich allein durch das Recycling und den nachfolgenden Einsatz von Sekundärrohstoffen vermieden. In Bezug auf den Klimaschutz ist jeder Sekundärrohstoff grundsätzlich einem Primärrohstoff überlegen, da er mit weniger Energieaufwand hergestellt wird. Durch die Steigerung der Energiee?zienz, die Substitution von Primärenergieträgern sowie die Nutzung von Sonne und Wind auf abfallwirtschaftlich geprägten Flächen werden neben der Auskopplung von Strom-, Fern- und Prozesswärme in den energetischen Abfallbehandlungsanlagen von der Kreislaufwirtschaft nicht nur wichtige Beiträge zur Energiewende geleistet, sondern auch zur weiteren Verringerung von Treibhausgasemissionen. Viele Investitionen in die technische und organisatorische Optimierung der Kreislaufwirtschaft führen gleichzeitig auch zur Reduzierung bzw. Vermeidung von Treibhausgasemissionen.

Beitrag zur Energiewende

Die direkte Energieerzeugung in der Kreislaufwirtschaft umfasst die energetische Verwertung von Primärabfällen aus Haushalten, Industrie und Gewerbe, Ersatz- und Sekundärbrennstoffen sowie sonstigen Abfällen aus Abfallbehandlungsanlagen und die Energieerzeugung aus abfallstämmiger Biomasse. Dies erfolgt einerseits in den klassischen Monoverbrennungsanlagen (TAB, SAV, Altholzverbrennungsanlagen und Biomassekraftwerke, Klärschlammverbrennungsanlagen) und andererseits in Anlagen zur Mitverbrennung von Abfällen (Zementwerke, Kohlekraftwerke, Industriekraftwerke) sowie biologischen Abfallbehandlungsanlagen (Bioabfallvergärungsanlagen und MBA mit Vergärungsstufe). Darüber hinaus wird auch Deponiegas energetisch verwertet.

Im Jahr 2021 gab es in Deutschland 636 thermische Abfallbehandlungsanlagen sowie Feuerungsanlagen, in denen 47,58 Mio. Tonnen an Abfällen eingesetzt wurden. Der Anteil der TAB beträgt mit rund 10 TWh rund 2 % an der öffentlichen Stromerzeugung in Deutschland. Der Beitrag der abfallstämmigen Biomasse an der Stromerzeugung kann statistisch nicht näher beziffert werden. An der öffentlichen Wärmeerzeugung haben die TAB bereits einen Anteil von fast 17 %. Auch hier ist der Anteil der abfallstämmigen Biomasse nicht genau zu beziffern.

Durch die Steigerung der Energieeffizienz, die Substitution von Primärenergieträgern sowie die Nutzung von Sonne und Wind auf abfallwirtschaftlich geprägten Flächen werden neben der Auskopplung von Strom-, Fern- und Prozesswärme in den energetischen Abfallbehandlungsanlagen nicht nur wichtige Beiträge zur Energiewende geleistet, sondern auch zur weiteren Verringerung von Treibhausgasemissionen.

Circular Economy

Das Recycling von Abfällen ist einer der zentralen Bestandteile der Circular Economy, einer EU-weiten Strategie, die darauf abzielt, über veränderte Produktions-, Konsum- und Gebrauchsgewohnheiten eine nachhaltige Produktionsweise von Gütern und eine Kreislaufführung von Ressourcen das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Wichtige Voraussetzung dafür ist das intelligente Design von Produkten, um die Reparatur- und Recyclingfähigkeit zu gewährleisten. Das Recycling hat jedoch auch technische, ökologische und wirtschaftliche Grenzen, die es zu beachten gilt: Eine 100%ige Verwertung von getrennt erfassten Wertstoffen ist für viele Materialien weder möglich noch wirtschaftlich sinnvoll. Schadstoffe gilt es zudem auszuschleusen und zu verhindern, dass diese im Kreislauf mitgeführt werden. Ohne ein hochwertiges Recycling können die Ziele der Circular Economy nicht erreicht werden. Dafür muss sichergestellt werden, dass der steigenden Menge an Rezyklaten auch ein gleichermaßen wachsender Absatzmarkt gegenübersteht.

Der Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2024 wurde von insgesamt 15 Verbänden, Vereinen und Unternehmen initiiert und inhaltlich begleitet:

  • Arbeitsgemeinschaft Stoffspezifische Abfallbehandlung (ASA)
  • Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. (BDE)
  • Bundesverband Deutscher Sonderabfallverbrennungs-Anlagen e.V. (BDSAV)
  • Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen e.V. (BDSV)
  • Bundesvereinigung Recycling-Baustoffe e.V. (BRB)
  • Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (bvse)
  • Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW)
  • IFAT Munich – Weltleitmesse für Wasser-, Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft
  • Interessengemeinschaft der Aufbereiter und Verwerter von Müllverbrennungsschlacken (IGAM)
  • Interessengemeinschaft Deutsche Deponiebetreiber e.V. (InwesD)
  • Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e.V. (ITAD)
  • Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA)
  • Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI)
  • Verband Deutscher Metallhändler und Recycler e.V. (VDM)
  • Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU)

Die im Bericht dargestellten Zahlen, Informationen und Bewertungen ergeben somit ein aktuell abgestimmtes Bild über alle Leistungen und Facetten der Kreislaufwirtschaft aus Sicht des Jahres 2024.

->Quellen: