DBU-Umweltpreise überreicht

Höchstdotierter Umweltpreis Europas

Der Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ist zum 25. Mal vergeben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und die DBU-Kuratoriumsvorsitzende und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, überreichten heute in Braunschweig den Unternehmern Bernhard (87) und Johannes Oswald (57) aus Miltenberg sowie den Naturschützern Inge Sielmann (87) aus München, Kai Frobel (58) aus Nürnberg und Prof. Hubert Weiger (70) aus Fürth den mit 500.000 Euro größten, unabhängigen Umweltpreis Europas.

Gemeinsame Freude über den Deutschen Umweltpreis: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, Johannes Oswald, Judith Rakers (verdeckt), Bernhard Oswald, Inge Sielmann, Heinrich Bedford-Strohm, Kai Frobel, Hubert Weiger, stv. Ministerpräsident Niedersachsens Stefan Wenzel, DBU-Kuratoriumsvorsitzende Rita Schwarzelühr-Sutter, DBU-Vize-Generalsekretär Werner Wahmhoff, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Doreen de Brum – Foto © DBU/ Peter Himsel

Die DBU betont damit die hohe Bedeutung des Klima- und Naturschutzes sowie einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Unternehmensführung für ein zukunftsfähiges Leben, das die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde nicht überstrapaziert. Vater und Sohn Oswald erhalten 245.000 Euro wie auch Sielmann, Frobel und Weiger zusammen. Der mit 10.000 Euro dotierte DBU-Ehrenpreis ging posthum an den Ex-Außenminister der Marshall-Inseln, Tony de Brum.

Motoren benötigen kein Getriebeöl, weniger Energie und sind leiser

Die DBU betonte, Johannes und Bernhard Oswald hätten die Energieeffizienz und Produktivität von z.B. industriellen Zerkleinerern und Pressen mit ihrem Unternehmen OSWALD Elektromotoren deutlich erhöht und seien Wegbereiter dieser umweltentlastenden Innovation. Sie stünden für die kleinen und mittleren Familienunternehmen in Deutschland, denen für den Wirtschaftsstandort Deutschland eine überragende Bedeutung zukomme. Ihre Torquemotoren (torque, engl.: Drehmoment) verringerten gegenüber anderen mechanischen oder hydraulischen Antriebslösungen den Energieverbrauch um bis zu 50 Prozent, der Einsatz von Getriebeöl falle weg, die Maschinen würden leichter, benötigten weniger Platz, produzierten geringere Betriebskosten und seien leiser. Mit ihren Antrieben, die auf die kundenspezifischen Anforderungen hin „maßgeschneidert“ würden, habe sich die Fa. OSWALD zu einem Weltmarktführer entwickelt. Neben dem betrieblichen Engagement zeichneten sich die Firmenchefs durch bemerkenswerte Verbandsaktivitäten und ein außergewöhnliches, regionales bürgerschaftliches Engagement aus.

„Als wir gehört haben, dass wir den Umweltpreis bekommen, haben wir uns gefreut. Wir haben aber auch gerechnet“, erzählte Bernhard Oswald der Lokalzeitung „Bote vom Untermain. Herausgekommen sei die beeindruckende Zahl von 1,5 Terrawattstunden – so groß sei die Energieeinsparung durch Oswald-Motoren pro Jahr. Das entspreche dem Stromjahresverbrauch von einer Million Menschen oder – weil der Preis in Braunschweig verliehen wird – ziemlich genau dem Jahresenergiebedarf der 250.000-Einwohner-Stadt in Niedersachsen, einschließlich Industrie, Gewerbe, Handel und Verkehr.

Engagierte Naturfreunde sicherten Zufluchtsort für Pflanzen und Tiere

Als Wegbereiter des „Grünen Bandes“ als erstes und größtes gesamtdeutsches Naturschutzprojekt würdigte die DBU Inge Sielmann, Ehren-Vorsitzende der Heinz Sielmann Stiftung, Dr. Kai Frobel, Koordinator des bundesweit und international tätigen Projektbüros Grünes Band des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND. Nur durch die Liebe engagierter Naturfreunde, für die das Trio stehe, habe die rund 1.400 Kilometer lange ehemalige innerdeutsche Grenze für die Pflanzen- und Tierwelt erhalten werden können, die einen Zufluchtsort innerhalb des ehemaligen „Todesstreifens“ gefunden hatten. Durch Sielmann, Frobel und Weiger sei in Deutschland die Vision einer europäischen Initiative für das Grüne Band ins Leben gerufen und ein Symbol für die Überwindung des Kalten Krieges gesetzt worden.

Vision eines „Grünen Bandes“ für Europa entwickelt

Inge Sielmann, Witwe des DBU-Ehrenpreisträgers von 2005, Heinz Sielmann, habe das Werk ihres Mannes konsequent fortgesetzt und vor allem in der Umweltbildung Neues initiiert. Frobel sei Initiator und Namensgeber des „Grünen Bandes“ und habe lange vor der Wende die Basis für das erste und größte gesamtdeutsche Naturschutzprojekt gelegt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten hätten bereits in den 70er und 80er Jahren bundesweit erstmals das hohe Naturpotenzial und die herausragende Bedeutung des Grenzstreifens belegt. 1998 habe er das bundesweit und international tätige Projektbüro Grünes Band des BUND gegründet und koordiniere es bis heute. Weiger habe den auf interdisziplinären Dialog ausgerichteten völkerverbindenden Charakter des Projektes mit Frobel vorangetrieben, über die Grenzen Deutschlands hinaus gedacht und die Vision eines Grünen Bandes Europa entwickelt. Als Mitglied zahlreicher Gremien habe er sich um den Erhalt des ehemaligen Grenzstreifens besondere Verdienste erworben.

Pazifischen Inselstaaten bei Klimaschutzabkommen 2015 Stimme gegeben

Tony de Brums persönlichem Einsatz und diplomatischem Geschick als engagiertem Vertreter der pazifischen Inselstaaten sei es maßgeblich zu verdanken gewesen, dass es 2015 zum Pariser Klimaschutzabkommen gekommen sei, so die DBU. Dabei hatte die Staatengemeinschaft die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad gegenüber den vorindustriellen Werten festgeschrieben. De Brum habe vor allem den Staaten und Regionen eine Stimme verliehen, die voraussichtlich am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels durch steigende Meeresspiegel und starke Unwetter bedroht sein werden.

Den DBU-Ehrenpreis überreichte Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks (l.) an Doreen de Brum, Tochter des kürzlich verstorbenen ehemaligen Außenministers der Marshall-Inseln, Tony de Brum. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, bayerischer Landesbischof und Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche Deutschland – Foto © DBU/Peter Himsel

Steinmeier: Preisträger Protagonisten ambitionierter Zukunftsvisionen unserer Welt

„Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision. All denen, die daran gar nicht mehr glauben, die mit Verunsicherung, ja mit Angst in die Zukunft schauen, können unsere heutigen Preisträger eine Ermutigung senden: Aus der Teilung Europas erwächst ein ‚Grünes Band‘, aus 197 Einzelstimmen wird ein großes Klimaschutzabkommen. Und aus lokalem Erfindergeist erwachsen Technologien, die Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen. Ja, die Zukunft mag ungewiss sein, aber unsere Preisträger zeigen: Sie ist am Ende das, was wir daraus machen.“ – Mit diesen Worten würdigte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 29.10.2017 die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU.

„Die Agenda 2030 setzt unserer Welt eine wahrlich ambitionierte Zukunftsvision“, Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises 2017 in Braunschweig – Foto © DBU/Peter Himsel

„Ich finde, das ist eine besonders schöne Nachwendegeschichte“

Vor rund 1.200 Festgästen – darunter Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks und Niedersachsens stellvertretendem Ministerpräsidenten Stefan Wenzel – erinnerte Steinmeier an den bevorstehenden Jahrestag zum Fall der Berliner Mauer. Die jahrzehntelange Teilung Deutschlands habe Narben hinterlassen – in Familien, Wirtschaft und Politik. Viele dieser Narben seien unsichtbar, manche fielen direkt ins Auge. Dazu gehörten die in der Landschaft. Mit Mauern, Stacheldraht und Patrouillenwegen sei ein breites Band der Teilung durch Europa über Felder, Berge und Wälder gelegt worden. In diesem Schatten der Geschichte jedoch sei zwischen Selbstschussanlagen und Wachtürmen ein weltweit einzigartiges Naturerbe entstanden. Zum Glück sei Frobel bereits in den 70er Jahren auf die Idee gekommen, aus diesem Band des Schreckens ein „Grünes Band“ der Hoffnung zu machen. Mit Inge Sielmann und der Sielmann-Stiftung sowie vielen anderen habe diese Idee tatkräftige Unterstützung gefunden und sei heute Realität geworden. Und dank des Engagements von Weiger sei das „Band“ bald nicht mehr nur eine deutsche, sondern eine europäische Idee geworden. Steinmeier: „Ich finde, unter den vielen Geschichten, die kursieren, ist das eine besonders schöne Nachwendegeschichte.“

„Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft“

Veränderungen von Umwelt und Klima führten zunehmend zu Naturkatastrophen und Hungersnöten, die unzählige, Millionen Menschen in die Flucht treiben würden, so das Staatsoberhaupt weiter. Ressourcenknappheit und Umweltfragen seien längst nicht mehr nur Angelegenheit von Klimaschutz und Migrationspolitik, sondern seien inzwischen Fragen der Sicherheitspolitik geworden. Nicht nur deshalb lohne es, sich um den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen weltweit zu bemühen. Steinmeier: „Am Ende geht es um die globale Verteilung von Lebenschancen, um die Möglichkeit einer friedlicheren Zukunft. Umwelt- und Klimaschutz ist praktische Arbeit an einer gerechteren Globalisierung. Und die brauchen wir.“

Pariser Folgeverhandlungen gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen

Das Klimaschutzabkommen von Paris 2015 habe gezeigt, dass die Weltgemeinschaft in der Lage sein könne, sich auf gemeinsame Ziele in der Umweltpolitik zu verständigen. Die Pariser Folgeverhandlungen im November in Bonn seien gerade für Deutschland ein besonderes Anliegen. Ziel sei es, dass die Staatengemeinschaft auf die Bedürfnisse gerade auch der kleineren Länder eingeht, die keine Stimme haben im großen Weltkonzert. Vor allem die kleinen Inselstaaten bangten angesichts des steigenden Meeresspiegels um ihr Land. Tony de Brum, der ehemalige Außenminister der Marshall-Inseln, habe deren Interessen eine „klar vernehmbare und weltweit geachtete Stimme“ gegeben.

Beispielhaft für Familienunternehmen, die Deutschland bereicherten – „Es ist mir eine Freude, den Deutschen Umweltpreis heute auch einem innovativen Mittelständler aus Deutschland zu überreichen. Als Hidden Champion mit besonderer Expertise für Elektromotoren ist es der Firma OSWALD gelungen, einen um bis zu 50 Prozent effizienteren Antrieb für Industrieanwendungen zu entwickeln. Das ist ein beeindruckender Erfolg und es verdient großen Respekt – gerade auch für einen Familienunternehmer, der diese Entwicklung aus dem laufenden Betrieb finanziert. Die Firma OSWALD steht beispielhaft für all die kleinen und mittleren Familienunternehmen, die unser Land bereichern, und zwar nicht nur wirtschaftlich. Mittelständler wie die Oswalds engagieren sich intensiv in ihren Gemeinden, sie sind Teil der bürgerlichen Gesellschaft vor Ort. Lieber Johannes Oswald, lieber Bernhard Oswald, ich gratuliere Ihnen auch deshalb ganz herzlich zum Deutschen Umweltpreis 2017.“

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